Der Senat und die BVG haben beschlossen, dass der U-Bahnhof zukünftig "Rotes Rathaus" heißen wird. Entsprechend verwenden wir diesen Namen ab September 2016.

Lage

Der U-Bahnhof Rotes Rathaus grenzt direkt an die bereits seit den 1930er Jahren bestehende Kehranlage Alexanderplatz. Diese verläuft unter der Rathausstraße und endet etwa in Höhe der Jüdenstraße.

Direkt vor dem Berliner Regierungssitz liegen die drei Aufgänge des U-Bahnhofs. Der Bahnhof selbst verläuft unterhalb der Rathausstraße zwischen der Spandauer Straße und der Jüdenstraße.

Da die Kehranlage Alexanderplatz mit der neuen U5 ein normaler Streckenabschnitt wird, schließt westlich der Spandauer Straße dann eine neue Gleiswechselanlage an den U-Bahnhof Rotes Rathaus an.

© Collignon Architektur
Gestaltung

Für die Gestaltung des U-Bahnhofs Rotes Rathaus ist das Berliner Büro Collignon Architektur verantwortlich.

Inspiriert wurde die Gestaltung von dem bei archäologischen Grabungen wiederentdeckten Deckengewölbe des mittelalterlichen Berliner Rathauses. Sieben mittig angeordnete Stützen tragen einen Großteil der Deckenlast. Die Stützenköpfe wirken mit ihrer Trichterform wie Pilze und sollen an das alte Gewölbe erinnern. Kombiniert mit den außenliegenden Bahnsteigen erscheint die Bahnhofshalle offen und großzügig. Farblich wird der U-Bahnhof Rotes Rathaus modern in Schwarz und Weiß gestaltet.

Der U-Bahnhof Rotes Rathaus verfügt über zwei Ebenen. In der oberen befinden sich die Bahnsteige für die neue U5, in der unteren ist eine Abstellanlage als Ersatz für die Kehranlage Alexanderplatz vorgesehen.

© bünck+fehse
Bauweise

Die Baugrube für den U-Bahnhof Rotes Rathaus wird in Wand-Sohle-Deckel-Bauweise errichtet. Dabei werden zuerst Schlitzwände aus Stahlbeton als seitliche Baugrubenumschließung hergestellt. Anschließend wird mittels Düsenstrahlverfahren eine wasserdichte Sohle als untere Baugrubenabgrenzung in den Boden eingebracht. Als Abschluss nach oben wird dann ein Deckel betoniert. Dieser minimiert die Belastung durch Lärm und Staub.

Innerhalb dieser Baugrube wird das Erdreich ausgehoben und die Bauwerkssohle und -wände aus Stahlbeton werden hergestellt. Beim U-Bahnhof Rotes Rathaus gibt es die Besonderheit, dass der Baugrubendeckel gleichzeitig die Bahnhofsdecke ist. Wenn diese hergestellt wird, werden darin auch die Köpfe der Pilzstützen mit betoniert. Die Köpfe der tragenden Stützen sind damit im Rohbau schon fertig; die Säulenteile werden später von unten her errichtet.

Während des Rohbaus wird zudem der Anschluss an die bestehende Kehranlage Alexanderplatz vorbereitet. Dazu wird die alte Bestandswand abgebrochen. Zur Stabilisierung wird der umliegende Boden vorher vereist.

Wenn der Rohbau fertiggestellt ist, beginnen die verschiedenen Ausbaugewerke mit dem Einbringen von Schotter und dem Verlegen von Gleisen sowie aller technischen Leitungen, die für den U-Bahnbetrieb notwendig sind. Es werden Fahrtreppen und Aufzüge eingebaut. Natürlich wird auch die vom Architekten geplante Innengestaltung für Böden, Wände und Beleuchtung umgesetzt. Schließlich wird die typische Ausstattung der Berliner U-Bahnhöfe wie Fahrscheinautomaten, Entwerter und Informationsvitrinen eingebaut.

© PRG U5/Maik Kopsch
Archäologische Funde

Von Anfang Oktober 2009 bis November 2011 arbeiteten 22 archäologische Fachkräfte unter Leitung von Archäologen des Landesdenkmalamts im Bereich der künftigen Baustellen für den Lückenschluss der U5. Insbesondere im Bereich des U-Bahnhofs Rotes Rathaus gab es dabei umfangreiche Funde:

Die Archäologen, die mit großer Sorgfalt die Vergangenheit aufdeckten, haben nicht nur Fundamente und Kellerwände des mittelalterlichen Rathauses aufgespürt. Münzfunde ostpreußischer, pommerscher und böhmischer Herkunft verraten viel über das frühe Wirtschaftsleben der Stadt. In der Jüdenstraße wurden die Keller der Seidenmanufaktur entdeckt, in der der jüdische Theologe und Philosoph Moses Mendelssohn ab Mitte des 18. Jahrhunderts tätig war. Der spektakulärste Fund gelang bei Grabungen im Schutt eines im Krieg zerstörten Hauses in der ehemaligen Königstraße, heute Rathausstraße: Hier wurden elf Skulpturen der Klassischen Moderne gefunden, die bisher als verloren galten.

Obwohl nicht jeder interessante Fund bis ins Mittelalter zurückreicht, brachten die archäologischen Grabungen viele und wertvolle Gegenstände ans Licht. Neben einem Tresor, der hier wohl in den letzten Kriegstagen „verschüttging“ und sogar noch halb verbrannte Geldscheine und Dokumente enthielt, wurden viele Münzen und Gebrauchsgegenstände gefunden.

Von den Überresten der einstigen Rathaushalle, die wie eine Kirche in Schiffe gegliedert war, bleiben zwei Schiffe komplett erhalten. Dafür wurde die Lage des U-Bahnhofs Rotes Rathaus und dessen Zugänge entsprechend umgeplant, da einer direkt im Bereich der archäologischen Funde gelegen hätte.

© Martin Stefke
Position des neuen U-Bahnhofs Rotes Rathaus