Die Gleiswechselanlage

In der Neubaustrecke zwischen den U-Bahnhöfen Berliner Rathaus und Museumsinsel entsteht im Marx-Engels-Forum ein weiteres Bauwerk für den späteren Betrieb, eine neue Gleiswechselanlage. Bis März 2016 war in der zugehörigen Baugrube der Startschacht für die Tunnelvortriebsmaschine Bärlinde, das heißt, der Startpunkt für beide Tunnelröhren. Die zentrale Baustelleneinrichtungsfläche auf dem Marx-Engels-Forum dient als Baulogistikzentrum, in dem die Büros sowie die Firma Implenia, das Generalunternehmens für Los 1 (Tunnel, Gleiswechselanlage, Museumsinsel, Unter den Linden), untergebracht sind.

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Was ist eine Gleiswechselanlage?

Wie der Name bereits sagt, können in der Gleiswechselanlage die U-Bahnfahrzeuge das Gleis wechseln. Dies ist für den Betrieb wichtig, damit – beispielsweise im Falle einer Gleisstörung – nicht die gesamte Strecke gesperrt werden muss, sondern flexibel gehandelt werden kann. Da der Streckenabschnitt zwischen Marx-Engels-Forum und Brandenburger Tor aus zwei separaten Tunnelröhren besteht, ist ein Gleiswechsel auf diesem Abschnitt nicht möglich.

Um Synergieeffekte nutzen zu können, wurde die Gleiswechselanlage an der Stelle geplant, die zunächst als Startschacht für die Tunnelvortriebsmaschine fungierte. Herausforderung dabei ist allerdings, dass auf kurzer Strecke ein großer Höhenunterschied überwunden werden muss: Die Bahnsteigebene Berliner Rathaus liegt aufgrund der Zweistöckigkeit des Bahnhofs – in der unteren Ebene entsteht eine neue Aufstell- und Kehranlage – nur wenige Meter unter der Oberfläche. Unter der Spree jedoch verläuft die Tunnelführung sehr tief. Entsprechend ergibt sich für den Gleisverlauf eine Neigung von 4 Prozent. 

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Der Bauverlauf

Nachdem bereits für die Nutzung als Startschacht die Baugrube in offener Bauweise hergestellt wurde, müssen nach der Fertigstellung des Tunnels zunächst die von Bärlinde hinterlassenen Überreste entfernt werden: Dazu gehören beispielsweise die sogenannte Anfahrkonstruktion mit Schildwiege und die Blindringe, mit denen die Lage der Maschine beim Vortriebsbeginn genau justiert werden konnte. Als nächster Schritt werden die Sohle, die tragenden Wände und die Zwischendecke bewehrt und betoniert. Als oberer Abschluss wird die Bauwerksdecke eingezogen. 

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Das Hafenbecken

Für das Bauprojekt, insbesondere für die Tunnelstrecke, wurde ein Hafenbecken in der Spree angelegt. Insgesamt fielen beim Bau der Tunnelstrecke rund 120.000 Kubikmeter Aushub wie Sand und Steine an. Zum Vergleich: Damit ließen sich etwa eine Million Badewannen füllen! Der Aushub wurde mittels einer Bentonitsuspension durch eine Förderleitung in der Tunnelröhre von Bärlinde zum Marx-Engels-Forum geleitet. Dort wurden in einer Separationsanlage die festen Bestandteile von den flüssigen getrennt. Schließlich wurde der Sand auf Schiffe verladen und über die Spree abtransportiert. Das Bentonit wurde wieder aufbereitet und konnte weiterverwendet werden. Die Passagierschifffahrt wurde durch den Betrieb des Bauhafens nicht behindert. Der Transport über den Wasserweg schont die Umwelt, denn damit wurden die für das Bauvorhaben notwendigen Lkw-Fahrten erheblich reduziert: Ungefähr 12.000 Lkw-Fahrten konnten mit dem Bauhafen vermieden werden.  

Im Planfeststellungsbeschluss ist vorgesehen, dass der Bauhafen im nächsten Jahr zurückgebaut wird. 

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Marx und Engels

Um Platz für die Baustelleneinrichtung auf dem Marx-Engels-Forum zu schaffen, musste das Denkmal für Karl Marx und Friedrich Engels im September 2010 an ein Übergangsquartier versetzt werden. Die Herren aus Bronze stehen nun vorübergehend nicht mehr zentral auf dem Forum, sondern einige Meter weiter nordwestlich in Richtung Liebknechtbrücke.

Entgegen ihrer ursprünglichen Ausrichtung sind die Skulpturen nun nicht mehr dem Osten zugewandt, sondern schauen nach Westen.

Nach Abschluss der Bauarbeiten für den Lückenschluss der U5 soll nach aktuellem Planungsstand das Marx-Engels-Forum wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Das bedeutet, dass auch Marx und Engels wieder ins Zentrum des Forums zurückkehren. Die endgültige Entscheidung über die zukünftige Oberflächengestaltung liegt beim Berliner Senat und beim Bezirk Mitte.

© Martin Stefke